24. Februar 2017 | 5 min lesezeit

Erfahrungen mit Microservices werden breiter

Vor nicht allzu langer Zeit war die Welt für die Entwickler und IT-Verantwortlichen einfach: Mit der klassischen Drei-Schichten-Architektur war die Frage nach einer sinnvollen Aufteilung für viele Anwendungen schnell geklärt. Dieser pragmatische und etablierte Ansatz hat heutzutage nach wie vor seine Daseinsberechtigung, dennoch wird er mittlerweile durch andere Architekturansätze sinnvoll ergänzt.

In der nun zum dritten Mal veranstalteten „microXchg“ in Berlin wurden im Zeitraum vom 15.02. bis zum 17.02. in professioneller und lockerer Atmosphäre Erfahrungen mit und um Microservices von großen wie kleineren Unternehmen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Wie die Jahre zuvor fand die Konferenz wieder in den Räumen der Kalkscheune in Berlin-Mitte statt. Laut Veranstalter war die Konferenz auch dieses Jahr mit 250 Teilnehmern erneut ausverkauft.

Den offiziellen Start gaben am 15.02. die in diesem Jahr erstmalig veranstalteten Trainings zu Themen rund um Microservices. Interessierte konnten sich am Abend zusätzlich in geselliger Runde im Sony Center über das Berliner Microservice-Meetup mit einigen der Speakern und Teilnehmern unterhalten und in Diskussion treten.

Im Publikum waren ebenfalls zahlreiche Speaker vertreten, die ihren Präsentationen noch den letzten Schliff verliehen.

Microservices sind kein Neuland mehr

Am nächste Tag ging wohl für die meisten Teilnehmer der spannendste Teil der Konferenz los. Insgesamt bereiteten an den zwei Tagen 33 Speaker und Trainer über 30 Vorträge und In-Depth-Workshops vor. Nach einer kurzen Eröffnung und Begrüßung konnten die Teilnehmern zwischen zwei parallel laufenden Tracks wählen.

Bereits vor Beginn füllte sich die Kalkscheune schnell

Bereits vor Beginn füllte sich die Kalkscheune schnell.

Für uns begann der Tag mit einem gutem Beitrag von Satyajit Ranjeev zum Thema „The complexity that is hidden in Micro Services and Event Sourcing„. Der Vortrag verdeutlichte eindrucksvoll mit eigenen Erfahrungen, wie entscheidend es ist, sich zuerst tiefgreifend mit seiner fachlichen Domäne auseinanderzusetzen, Regularien von Ländern zu kennen und die Schnitte in einzelne Microservices nicht zu früh anzugehen. Martin Fowler verwies bereits 2015 in einem Blog-Eintrag auf diesen Sachverhalt:

„Microservices are a useful architecture, but even their advocates say that using them incurs a significant MicroservicePremium, which means they are only useful with more complex systems. This premium, essentially the cost of managing a suite of services, will slow down a team, favoring a monolith for simpler applications. This leads to a powerful argument for a monolith-first strategy, where you should build a new application as a monolith initially, even if you think it’s likely that it will benefit from a microservices architecture later on.“
— Martin Fowler

Eine Wahl der Architektur und Sprache sollte nicht über die Köpfe und Fähigkeiten der Teammitglieder hinweg entschieden werden, sondern gemeinsam erarbeitet und getragen werden, um produktiv zu sein. In dem Talk „Who slowed us down? I want my monolith back!“ von Markus Krogemann wird dieses Thema provokant aber treffend verarbeitet. Themen wie Modularität und Strukturierung von Domänenlogik betreffen Monolithen und Microservices im gleichen Maße.

„If you can’t build a well-structured monolith, what makes you think microservices is the answer?“
— Simon Brown

Interessante Einblicke gab es dieses Jahr erstmalig in den für amerikanische und europäische IT-Spezialisten meist unbekannten asiatischen Raum: Juven Xu von AliExpress, ein Unternehmen der Alibaba Group, stellte mit „AliExpress‘ Way to Microservices“ die eigene Interpretation von Microservices vor. Hierbei setzt AliExpress technisch komplett auf Java und Spring Boot und verlangt von Entwicklern organisatorische Disziplin über eigene Absprachen und Regeln.

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Ein weitestgehend ungelöstest Problem scheint nach wie vor die Auslieferung von Views einzelner Microservices zu sein, sofern der Schnitt der Anwendung vertikal erfolgt. Zwar gibt es verschiedene Ansätze, wie etwa von Gustaf Nilsson Kotte in „Micro­service Websites„, die aber eher schlecht mit aktuellen Single Page Applications zu verwenden sind. Zwar kann ein Team selbst über die Ausgestaltung der Oberfläche für einen Microservice entscheiden, dennoch muss es aktuell Regeln geben, um den Browser nicht mit Bibliotheken in verschiedenen Ausführungen zu überfluten, die untereinander Inkompatibilitäten erzeugen und die Ladezeiten in die Höhe treiben.

Den besten Beitrag aus meiner persönlichen Sicht gab es dieses Jahr von Daniel Bryant. Er untersuchte „Microservices: The Organizational and People Impact“ und blickte nicht auf die technischen Herausforderungen, sondern insbesondere auf die Auswirkungen auf die Organisation, die Mitarbeiter und das Management. Auch dort gibt es einige Anti-Pattern und falsche Annahmen, die vermieden werden sollten.

Daneben war zu beobachten, dass Event Sourcing in vielen Beispielen zu finden war und als Single source of truth zumeist Apache Kafka verwendet wurde. Größere Deployments verwendeten zu dem häufiger Docker und Kubernetes.

Serverless weiter auf dem Vormarsch

Einen erneuten Schub gab es in einigen Talks für die Verwendung von Serverless-Architekturen. Adrian Cockcroft (Amazon) verdeutlichte in seinem Talk „Shrinking Microservices to Functions„, dass Serverless nicht den Server als solches obsolet mache und die Cloud auch nicht für die Abschaffung von Rechenzentren stehe. Der Unterschied läge darin, den eigentlichen Verwaltungsaufwand zu senken. Dieser Kurs entspricht damit den letzten Aussagen auf der hauseigenen AWS re:Invent in Las Vegas:

„No server is easier to manage than no server.“
–Werner Vogels – CTO @ Amazon

Dennoch entwickelt sich diese Architektur auch außerhalb des Amazon-Kosmos‘, sei es durch Google oder Microsoft, oder eben auch On-Premise über Iron.

Fazit

Ein großes Lob geht, wie die letzten beiden Jahre, an die hervorragenden und professionellen Organisatoren des Events. Auch im dritten Jahr hat man sich aus einem breiten Spektrum an Themen bedient und viele Themen rund um Microservices beleuchtet. Selbst international findet die microXchg inzwischen sehr viele Liebhaber und Wiederkehrer. Auf dem eigenen YouTube-Kanal wurde in schnellster Zeit jeder Vortrag aufbereitet und veröffentlicht. Spannend waren zudem die inzwischen vorhandenen Lösungen, abseits der Netflix, Amazon und Google-Welt. Entscheidend ist nach wie vor, Domänenexperten im eigenen Unternehmen weiter zu fördern und dieses Wissen in richtiger Form mit Domain-Driven-Design in die eigentliche Anwendungen zu bringen. Daneben gilt es für Architekten und Entwickler, die Prinzipien von Microservices zu verinnerlichen und nicht unüberlegt zu einem vorhandenen Tech-Stack der „Microservice-Giganten“ zu greifen. Jede Lösung unterlag auch hier einer fortlaufenden Evaluierung der eigenen Anforderungen.


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