25. August 2017 | 3 min lesezeit

Opening up Java EE

Wer gedacht hat, dass der ausgehende Sommer vor allem vom Release von Java 9, Java EE 8 und der Java One medientechnisch bestimmt sein wird, der staunte letzte Woche nicht schlecht.

Um es vorweg zu nehmen — die Pläne bzgl. Java 9 und Java EE 8 wurden NICHT erneut verschoben. Aber trotzdem hat letzten Freitag der Blogeintrag „Opening up Java EE“ von David Delabassée, Software Evangelist bei Oracle, gehörig Wellen geschlagen in der Community. Von Jaxenter über heise zu InfoQ sind seitdem zahlreiche Artikel entstanden:

David Delebassée zufolge sucht Oracle den Kontakt zur Community und beabsichtigt, die Schirmherrschaft an eine Open Source Foundation (wie etwa Apache oder Eclipse) zu übertragen. „We’d like to do better“ schreibt Delebassée und zielt damit sowohl auf verschiedene inhaltliche Diskussionen um einzelne Specs als auch generell auf die Kritik u.a. der Java EE Guardians. Diese hatten im Sommer 2016 eine Petition verfasst, um Oracle zu einem größeren Engagement hinsichtlich dieses kritischen Industriestandards zu bewegen.

Was auch immer den Ausschlag gegeben hat, fast alle Stimmen in der Community sehen derzeit große Chancen in diesem Zug von Oracle. Zu erwarten war dies natürlich von Größen wie IBM (siehe Blogeintrag) und Red Hat (Blogeintrag von Mark Little), die mit ihren Produkten und Services in hohem Maße von diesem Standard abhängen, jedoch nur beschränkten Einfluß darauf haben.
Zusätzlich äußern sich aber auch unabhängige Java Schwergewichte wie Reza Rahman, Ivar Grimstad und Mark Struberg optimistisch und hoffnungsvoll. Gerade das von Ivar Grimstad Anfang 2017 übernommene MVC Projekt – welches ehemals als Bestandteil von Java EE 8 gesehen war, dann aber an die Community übergeben wurde – zeigt, wieviel Momentum dabei entstehen kann.

Zwar befinden wir uns hier noch ganz am Anfang des Weges und der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Aber die grundsätzliche Richtung, die Delebassée vorgegeben hat, stimmen auch uns positiv. Dazu gehören die Übergabe der Referenzimplementierungen (u.a. Glassfish) und der Technology Compatability Kits (TCK) an eine Open Source Foundation. Insbesondere die TCKs, die letztendlich Grundlage der Zertifizierungen der AppServer und bisher nicht frei verfügbar gewesen sind, waren eine kritische Hürde für das ein oder andere Community Projekt. Darüber hinaus sollen auch die Spec Leads der JSRs viel weniger durch Oracle besetzt werden als bisher.

Schlussendlich aber werden die kommenden Monate zeigen, ob diese Öffnung wieder zu einer höheren Schlagzahl und auch insgesamt mehr Durchschlagskraft beim Enterprise Standard führen wird. Auf jeden Fall fliegt der Ball gerade ins Feld der Community — dort müssen jetzt alle gut aufgestellt sein und Kräfte zum Anpacken freimachen. Spannende Zeiten!

PS: Eine deutlich ausführlichere Einschätzung der Chancen und Risiken von Lars Röwekamp findet ihr auf heise.de 


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