Oracle Open World / JavaOne 2011 – Day 2 (4. Oktober 2011)
07.10.2011 // 14:51 Uhr // Kategorie: Java, Java EE, Java SE, Konferenzen //
Nach einem wirklich netten Abend mit einigen anderen Konferenzteilnehmern und einer anschließend viel zu kurzen Nacht geht es nun „frisch & munter“ in den dritten Tag. Fokus heute: Die Oracle Java Strategy
8:00 Uhr
Ich habe mich heute bewusst für die JavaOne und gegen die OpenWorld Keynote entschieden. Ob diese Entscheidung richtig war, werden die nächsten zwei Stunden zeigen. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen und entdecke doch tatsächlich drei Plätze weiter Adam Bien. Wir verabreden uns spontan für eine kleine Diskussion zu Glassfish 4 „in-the-Cloud“ und beginnen einen inoffiziellen Wettkampf um die meisten Tweets-per-Minutes während der Keynote.
Mit knapp 30 Minuten Verspätung beginnt endlich die Keynote. Oder war ich nur 20 Minuten zu früh? Den Anfang macht Adam Messinger, Vice President of Development, Fusion Middleware. Als erstes hat er die leidige Aufgabe die Verschiebung des Java 8 Release Datums zu verkünden, was nicht gerade eine „la ola“-Welle im Saal nach sich zieht. Statt wie geplant Ende 2012 wird es die neue Version wohl erst 6 Monate später, also im Sommer 2013 geben. Im Gegenzug für die Verschiebung möchte man die gewonnene Zeit für eine Erweiterung des Feature-Sets nutzen. Die bisher zur Diskussion stehenden Projekte Jigsaw und Lambda scheinen ebenso gesetzt zu sein, wie auch die Interoperabilität mit JavaScript.
Nach dieser Hiobsbotschaft bittet Messinger Rob Benson von Twitter auf die Bühne. Nachdem Benson sich über die enorme Bedeutung von Java im Hause Twitter ausgelassen hat, gibt es auch ein Announcement von ihm: "Twitter is proud to announce that we are joining the openJDK as well as the JCP." – Wow!
Jetzt ist es Zeit für ein wenig JavaFX 2.0. Wer in den letzten Jahren die JavaOne verfolgt hat, wird das Gefühl von „Und ewig grüßt das Murmeltier“ nicht los. Das ist wohl auch Messinger bewusst, weswegen er die Demos nicht auf Desktop-Rechnern sondern auf Tablets zeigt. Das erwartete Momentum lässt nicht lang auf sich warten. Ein und dieselbe JavaFX Demo auf einem Windows Tablet, einem Android (a.k.a. Linux) Device und – fasten your seatbelts, please – auf einem iPad 2! Wie zum Teufel hat Oracle das gemacht? Dazu später mehr ...
JavaFX 2.0 das – beginnend mit den visuellen Komponenten - auf Dauer vollständig open source werden wird, ist laut Missinger langfristig DIE strategische Client Plattform für Java. Dies gilt auch für mobile Endgeräte, womit wir bereits beim nächsten Thema wären: JavaME.
Nachdem ich die Entwicklung von JavaME in den letzten 10 Jahren relativ intensiv verfolgt habe, frage ich mich ernsthaft, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich zukünftig mit diesem Thema auseinander zu setzen. Mit der Meinung stehe ich scheinbar nicht ganz alleine dar. Oracles Strategie ist es, JavaME langsam aber sicher zu entsorgen. Das wird natürlich in der Keynote etwas anders verpackt. Man möchte durch ein „huge investment“ JavaME und JavaSE „alignen“ - ach so. In einem ersten Schritt werden die Versionsnummern angeglichen, so dass das kommende Release JavaME 7 heißen wird. In einem zweiten Schritt wird dann daraus Embedded Java SE 8, eine Art Subset von JavaSE.
Jetzt überlässt Missinger die Bühne seinem Kollegen Cameron Purdy, Vice President Orcale (JavaEE, Server, etc.). Nach seiner Meinung wird die Java EE Plattform mittelfristig zu DEM PaaS Standard der kommenden Jahre. Natürlich hat auch Purdy einige Neuigkeiten im Gepäck. Mit Apache TomEE und WebSphere CE gibt es gleich zwei neue Java EE WebProfile zertifizierte Server. Der Slogan „Freedom of Choice“ bekommt langsam aber sicher wieder einen Sinn.
Als Case Study für eine erfolgreiche Migration hin zu JavaEE wird ein Vertreter von ESPN auf die Bühne geholt. ESPN setzt bei einigen seiner Anwendungen mittlerweile sehr erfolgreich auf den Standard Enterprise Java Stack und lässt diesen auf dem Glassfish Server laufen. Das ist doch einmal eine gute Nachricht für alle, die dem JavaEE-Referenz-Server bisher nicht über den Weg getraut haben.
Ein wenig Zeit ist noch übrig. Hat die Oracle Java Strategie noch einen Trumpf im Ärmel? Tatsächlich. Adam Messinger kommt noch einmal auf die Bühne und stellt ein völlig neues Projekt namens „Avatar“ vor. Idee dieses Projekts, dass Messinger als „HTML5 integration for Java“ bezeichnet - ist es, hybride Anwendungen aus Java und HTML 5 für mobile Devices erstellen zu können. Der Java Code kann dabei direkt auf dem HTML Dom zugreifen und diesen manipulieren. Das ganze läuft sogar auf dem iPhone, wenn man die JVM in die Anwendung embedded – was NICHT gegen die Auflagen des AppStores verstößt. Aha, so haben die also Java auf das iPad gebracht.
BTW: Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Oracle ein Preview Release von Java SE 7 für Mac OS X released hat? Das offizielle Release soll in Q2 2012 für Entwickler und etwas später dann auch für Endbenutzer folgen.
10:30 Uhr
Manch einer mag jetzt sagen, der Mann lernt aber auch gar nichts: Ich gebe JavaFX – nach drei Fehlerversuchen 2008, 2009 und 2010 – noch eine letzte Chance und besuche eine JavaFX 2.0 „rund-um-sorglos“ Session. Ok, die ersten 5 Minuten und eben so viele Slides sind noch interessant. Es wird der neue JavaFX Stack vorgestellt und gezeigt, wie man durch Austausch einzelner Stack-Teile JavaFX auf beliebigen Devices nutzen kann – ja auch auf dem iPad! Soweit so gut. Dann browst der Sprecher – Lorain – nur noch wild durch seine mehr als 100 Slides (für eine Stunde) und verläuft sich in Details wie der Implementierung von „immutable properties“. Sicherlich interessant, aber nicht gerade dafür geeignet eine Euphorie für JavaFX auszulösen.
Natürlich kommt aus dem Auditorium im Anschluss die Frage, wie man JavaFX auf das iPad bekomm. Kurze Antwort: wir nicht. Lange Antwort: Man nimmt – wenn man sie denn findet - oder baut eine Art proprietäre JVM für iOS und bundled diese mit seiner App als „lokale“ Laufzeitumgebung. Das ist übrigens zu 100 Prozent legal! Wie genau Oracle vorgegangen ist, erfahre ich hoffentlich am kommenden Donnerstag, denn dann habe ich ein 1:1 Meeting mit Nandini Ramani (a.k.a. „Mrs. JavaFX“).
12:30 Uhr
Mittagessen – muss auch mal sein. Ich diskutiere mit anderen Teilnehmern über Sinn bzw. Unsinn der parallel laufenden Konferenzen. Wir alle sind uns einig, dass die beiden parallel laufenden Konferenzen eigentlich niemandem einen Mehrwert bieten. Besser wäre es die Konferenzen zeitversetzt stattfinden zu lassen. Dies hätte den riesigen Vorteil, dass die JavaOne dann auch wieder im Moscone Conference Center stattfinden könnte und man nicht permanent in einem Labyrinth von 4 Hotels nach SEINEM Veranstaltungsraum suchen muss, der dann in der Regel auch noch total überfüllt ist.
15:00 Uhr
Wie es sich für eine Konferenz wie diese gehört, gibt es natürlich auch eine Ausstellung mit etlichen Produkten rund um Oracle und Java. Alles ziemlich interessant. Es würde aber ganz klar den Rahmen des Blogs sprengen, wenn ich das Thema hier auch noch aufnehme.
17:00 Uhr
Nach der ganzen Theorie möchte ich mir jetzt das eine oder andere Thema noch einmal detailliert in der Praxis anschauen. Genau für diesen Zweck gibt es den Java Demoground. In einer riesen Halle zeigen verschiedene Entwickler-Teams mehr oder minder sinnvolle Beispiele rund um JavaME, JavaSE und JavaEE.
Als erstes schaue ich mir die „Glassfish-in-the-cloud“ Demo an. Beeindruckend wie einfach das geht - aber leider hoch proprietär. Laut Aussage des Oracle Mitarbeiters ist der aktuelle Status noch weit von „productive“ entfernt. Es geht derzeit vielmehr darum Erfahrungen in dem Bereich „PaaS“ zu sammeln, die dann später in die JavaEE 7 Spezifikation einfließen können. Etwas anderes habe ich nach meinem Gespräch mit Adam Bien auch nicht wirklich erwartet.
Als nächstes ist JavaFX an der Reihe. Hier gibt es gleich eine ganze Reihe von Beispielen. Alle ganz nett – mehr aber auch nicht. Insbesondere, wenn man es mit anderen RIA Technologien wie Flex und Silverlight vergleicht. Interessant ist, dass auf dem Demoground kein einziges JavaFX Beispiel auf iPad oder Android Devices gezeigt wird. Ein Indiz dafür, dass die auf der Keynote gezeigten Lösungen lediglich Eye-Catcher waren und so schnell nicht frei verfügbar sein werden.
Als letztes möchte ich mir noch das neue Wunderprojekt AVATAR anschauen. Ja - wo ist es denn? Irgendwo muss es doch eine Demo dazu geben? Leider nein. Hmm, sehr ärgerlich, zumal man auch im Netz nichts dazu findet, keine Sourcen runterladen kann und scheinbar kein Mensch dafür verantwortlich zu sein scheint. Egal, noch habe ich ja 2 Tage, um mehr Details zu dem Projekt zu erfahren.
19:00 Uhr
Auf spezielle Einladung hin von Oracle Deutschland mache ich mich gemeinsam mit einigen anderen Konferenzteilnehmern auf zum German Community Evening im CLIFT Hotel. Es verspricht ein wirklich interessanter Abend zu werden, da dort viele der großen deutschen Orcale Kunden anwesend sein werden, mit denen ich mich über ihre Erfahrungen im Enterprise Java Umfeld austauschen kann. Hoffentlich wird es nicht wieder so spät wie gestern. Und wenn doch? Auch egal ...
Stay tuned!
Lars Röwekamp




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